Einen wunderschönen,
In letzter Zeit zieren öfter Grafittis unsere Fassade: Mal sollen Pali-Nazis raus, mal soll (wohl eher unfreiwilliger) Beischlaf mit dem Zionismus praktiziert werden. Auch wir sehen natürlich die humanitäre Katastrophe im Nahen Osten - und das übrigens nicht erst seit kurzem. “Früher“ gab
es dazu sogar Veranstaltungen, aber bei der aktuellen "Diskussionskultur" können Läden damit eigentlich nur verlieren. Deshalb bleibt eben dieser Bereich bei der Programmkuratierung bis auf Weiteres ausgeklammert...
Und warum soll man sich eigentlich unbedingt für eines der beiden „Glashäuser“ entscheiden? 1990 haben wir noch gegen den Golfkrieg demonstriert, ohne gleich z.B. als „Saddam-Hussein-Versteher“ klassifiziert zu werden [außer vielleicht von Springer...]. Wäre es nicht großartig, wenn ein Kompromiss - von unten und ohne Blutvergießen - den Menschen auf beiden Seiten [im wahrsten Sinne des Wortes] gerecht wird? Und wenn die gleich noch ihre eher kriegsbefürwortenden Mandatstragenden zum Teufel jagen würden? Dafür gäbe es unsere volle Solidarität & bestimmt
sogar etliche „So wird‘s gemacht“-Veranstaltungen dazu...
Genug geträumt, warum jetzt dieses Statement? Im Posteingang stapeln sich immer mal wieder Aufforderungen zum “klar Stellung beziehen“: „Ich würde nächste Woche vielleicht bei Euch ein Bier trinken, könnt Ihr bitte vorher ausführlich Eure Position zu Gaza darlegen, sonst komme ich nicht“. Für einen so lang andauernden, vielschichtigen Konflikt gibt es aber keine einfachen Lösungen. Punkt. Und eine politische Kiezkneipe kann weder diese Zwickmühle “mal eben“ auflösen [auch bei uns gibt es dazu durchaus unterschiedliche Positionen], noch wäre sie mit einem sehr stark verengten Diskussionskorridor überlebensfähig…
Das soll kein „Whataboutism“ sein, aber müssten wir 2026 nicht auch andere Themen wieder viel deutlicher artikulieren? In welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich zukünftig leben? Das Erstarken der AfD und die damit verbundenen Diskursverschiebungen werden uns noch lange beschäftigen, Auswirkungen gibt es für Projekte in schwarz-blaueren Provinzen schon jetzt. Bei Gesundheit/
Rente/Pflege drohen schwerste soziale Verwerfungen. Dabei sowieso bereits die „Arschkarte“ gezogen, sollen die frisch ausgelosten, sozial eher nicht so gut aufgestellten Wehrpflichtigen „stolz unser Land verteidigen“ [gegen wen oder was eigentlich?] während sich gut situierte Vollpfosten & Bohlen [„Wenn die Vermögensteuer kommt, bin ich weg!“] aus der Verantwortung stehlen. Und nicht zuletzt steigen Mieten und Lebensmittelpreise gnadenlos weiter...
Nur nebenbei: Klimawandel und Artensterben interessieren unsere Probleme so gar nicht: Während „wir“ ganz technologieoffen über „hocheffiziente Atom-Dampfmaschinen“ fabulieren, werden vorhandene, günstigere Varianten wie Photovoltaik & Windkraft ausgebremst. Und wo bleibt die Verkehrswende?
Vorsicht Ironie! Lösungen bietet nur die USA: Die Reduzierung von Impfungen holt Infektionskrankheiten zurück, die die Bevölkerungsdichte wenigstens etwas reduzieren. Das assoziiert auch direkt den Bereich der künstlichen Intelligenz: Ob die kapitalistische Gesellschaftsordnung damit sinnvoll umgehen kann und sogar irgendwann die Notbremse ziehen würde? Oder läuft es eher nach dem Motto: „Wenn ich das Geschäft nicht mache, macht es jemand anders.“? Frag doch einfach Deine KI! [Selbstironie: Von Unserer ist das Bild hier drunter.]
[aus dem märz 2022-editorial immernoch gültig...]
junge welt vom 13.Januar 2021